Rotundas oder Leben im Kreis

25.08.15, 08:56:24 von bergzauber
Portugal ist ein wunderschönes Land!! Es gibt schöne Strände, abgelegene Gebirge und Naturparks, interessante Städte mit alten Burgen und leckeres Essen. Und es gibt viele Kreisverkehre (auf Portugiesisch "Rotundas"), grosse und kleine, fast alle mit grosser Symbolik. Wer durch Portugal fährt, findet an fast jeder Ortseinfahrt einen Kreisverkehr, der oft auf einen für den Ort wichtigen Aspekt hinweist.

Mehr zur Entstehungsgeschichte und zum Aufbau des Blogs und auch zu mir findet ihr unter "Trás-os-Montes, Portugal, Europa und vieles mehr".


Den Bauern in Montalegre wurde am Ortseingang dieses Denkmal gewidmet.

Denkmalkartoffel.jpgCelorico da Beira

Rotundaceloricobeira.jpgAlter do Chão.

Rotundaalterdochao.jpgPortalegre.

Rotundaportalegre1.jpgGuarda.

Rotundaguarda.jpgEstremoz gibt es eine Bahnlinie.

Rotundaestremoz.jpgBelmonte hat eine erfreulich hohe Kreisverkehrdichte! Ein glückliches Rindvieh bei der Arbeit und zwei Menschen retten die Welt.

Rotundabelmonte1.jpgSabugal klettert auch in den Himmel! Dort treffen sie die Kameraden aus Belmonte!

Rotundasabugal1.jpgCovilhã!

Rotundacovilha1.jpgCastelo Branco hat viele Kreisverkehre! Hier zwei Beispiele.

Rotundacastelobranco1.jpgÉvora ist bekannt für seine römischen Ruinen. Aber wer kennt diesen Kreisverkehr? Welche Bedeutung hat er?

Rotundaevora.jpgViseu. Hier eine kleine Auswahl.

Viseurotunda4.jpgVila Pouca de Aguiar.

RotundaVP3.jpgMUSEUMVILAPOUCAVilaPoucarotunda2.jpgFafe hat viel zu bieten.

Faferotunda.jpgTarouca...

SaoBernardoTarouca.JPG




Eine Kapelle auf einem Kreisverkehr in Tarouca!

Rotundatarouca.jpg



Rotundaesposende.jpg



Mirandela liegt zwischen Vila Real und Bragança. Eine schöne Stadt, nicht nur für Anhänger von Kreisverkehren. Viva Mirandela!

Rotundamirandela1.jpgSabrosa. Der wichtigste Sohn des Städtchens ist der Seefahrer Fernão de Magalhães. Im Auftrag der spanischen Krone startete er 1519 eine Weltumsegelung. Sabrosa sah er nicht mehr, während der Reise verstarb er 1521 auf den Philippinen. Inzwischen steht Fernão de Magalhães auf einem zentralen Kreisverkehr Sabrosas. Stolz zeigt er den Autofahrern den Weg Richtung Neubaugebiet und Industriepark.

Sabrosarotunda.jpg

Trás-os-Montes, Portugal, Europa und vieles mehr

30.03.15, 23:19:50 von bergzauber
Im August 2011 habe ich in Bonn an einer vom DAAD organisierten Fortbildung für Ortslektoren teilgenommen. Ein Schwerpunkt dieser Fortbildung war der Strukturwandel in Bonn. Dieser Blog wurde im Rahmen dieser Fortbildung ins Netz gestellt, in Zukunft werden hier u.a. verschiedene Transformationsprozesse unter die Lupe genommen. Und hin und wieder ist dieser Blog eine Spurensuche, oft nimmt man Spuren der Vergangenheit gar nicht wahr, obwohl sie direkt vor uns stehen...



Zudem möchte ich hier auch Trás-os-Montes, die Douroregion und meinen Wohnort Vila Real vorstellen - die Region, in der ich gern lebe.




Wunderschöner Blick von Galafura auf den Douro (20 km von meinem Wohnort Vila Real entfernt). Diese vom Weinanbau geprägte Region zählt seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO

Galafura.JPG




Und hier arbeite ich, unser Büro an der Universität in Vila Real

Gabinete004.JPG
Trás-os-Montes ist eine Region im Wandel - Bonn ist eine Stadt, die sich in den letzten Jahren sehr verändert hat. Wie sieht so ein Wandel aus? Was bedeutet das für die Bonner? Antworten (...und Fragen) findet ihr in diesem Blog.




Vor 20 Jahren fürchteten sich viele Bonner vor der Zukunft. Mit dem bevorstehenden Regierungsumzug nach Berlin drohte der Stadt der Kollaps - dachten viele Bonner. Heute geht es der Stadt besser. Was haben die Bonner richtig gemacht?


Vor 20 Jahren träumten viele Bewohner der nordportugiesischen Region Trás-os-Montes von blühenden Landschaften. Die Transformation einer strukturschwachen Region stand bevor - dachten viele Transmontanier. Heute verlassen immer mehr Menschen die Region. Was haben die Transmontanier falsch gemacht?


Auch diese Blogs und Webseiten freuen sich über jeden Besuch und Kommentar:

GLAUP (Webseite der Lektoren-AG GLAUP aus Portugal)

POSEIDON (Blog des DaF-Lektorennetzwerkes Südeuropa)

PORTLAND (Spannender Blog über Portland/USA)


Ach ja, das bin ich:

Colmeal - ein Dorf in Ruinen. Keine Menschen, nur Steine.

30.03.15, 23:19:20 von bergzauber
Ein Dorf in Ruinen kann man in Colmeal bestaunen. Colmeal liegt im Kreis Figueira de Castelo Rodrigo im Nordosten Portugals. In dem Dorf soll die Mutter Pedro Cabrals, dem Entdecker Brasiliens, zur Welt gekommen sein. Bis nach Spanien sind es nur wenige Kilometer. Während und nach dem Bürgerkrieg in Spanien sollen republikanische Soldaten in dem Dorf Unterschlupf gefunden haben.

Das in einem lieblichen Tal gelegene Colmeal wurde am 8.Juli 1957 gewaltsam von der Polizei aufgelöst, die Einwohner wurden vertrieben. Die Dorfbevölkerung, die sich geweigert hatte eine höhere Pacht an die Grossgrundbesitzer zu zahlen, verlor deshalb ihre Heimat. Ein Gericht deklarierte das Dorf tatsächlich als Privatgrundstück, somit war diese Räumung vor dem Gesetz legal. Die Vertriebenen siedelten sich in Nachbardörfern an oder wanderten ins Ausland aus.

Über 50 Jahre lag das Dorf, die Dorfkirche und der Friedhof im Tiefschlaf, vor allem einsame Schäfer durchstreifen mit ihren Herden die Hügel um Colmeal. Ansonsten herrschte Stille, Totenstille. Allerdings wurde schon vor einigen Jahren eine asphaltierte Strasse zum Dorf gebaut


In den letzten Jahren gab es Pläne das Dorf zu neuem Leben zu erwecken, zumindest an das Unrecht des Jahres 1957 zu erinnern. Das salazaristische Portugal war zu jener Zeit ein autoritärer Staat, in dem viele Bürger dem Staat rechtlos ausgeliefert waren. Auch dafür steht Colmeal.



ColmealI.JPG




Inzwischen ist es mit der Ruhe in Colmeal vorbei, nicht mehr Schäfer durchstreifen das Tal, sondern Bagger. Das "Colmeal Countryside Hotel" wird gebaut! Dort wo über Generationen Familien lebten, werden nun bald Urlauber die wunderschöne Landschaft geniessen. Von der traurigen Geschichte Colmeals werden sie wohl nichts erfahren.

Der Geografiedozent Carlos d'Abreu von der Universität Salamanca schildert auf seinem Blog die neuesten Entwicklungen in Colmeal. "Não há dúvidas pois, que esta aldeia, classificada e (teoricamente) protegida, está a ser vítima de um segundo assassinato!" - der Autor spricht von einem zweiten Mord an dem Dorf. Auf dem Blog "Tempo Caminhado" könnt ihr Bilder der Bauarbeiten sehen und lesen, was in den letzten Monaten in Colmeal geschehen ist.
TEMPOCAMINHADO



So sieht es in Colmeal am 29.März 2015 aus. Es wird gebaut...an die traurige Geschichte des Dorfes scheint nichts zu erinnern.

Colmeal1.jpg

Löcher, Ruinen, Brücken, Bahnhöfe und Flughäfen - Dörfer, Bäume, Züge und Flugzeuge verschwinden

16.08.14, 21:38:00 von bergzauber
Regionen sind Transformationsprozessen unterworfen, diese Prozesse verändern Gesellschaften und Landschaften.


Die extremste Form dieser Transformationsprozesse ist das Verschwinden von Ansiedlungen. Eine über Jahrhunderte fortgeschriebene Geschichte endet plötzlich. Es bleiben Löcher, Ruinen, Mauern, oft bleibt nicht einmal das.


Nicht weit von Mönchengladbach kann man die Löcher des Braunkohletagebaus Garzweiler sehen. Das Dorf Garzweiler wurde abgebaggert und woanders wieder aufgebaut. Insgesamt waren von dem Tagebau Garzweiler zwölf Dörfer und 7.600 Bürger betroffen. In Garzweiler soll bis 2045 Braunkohle abgebaut werden. Am Niederrhein kann man noch mehr Löcher finden, in denen sich riesige Bagger durch die Landschaft graben.

TagebauGarzweiler.JPGNEGROES

Hier könnt ihr ein Video mit Fotoaufnahmen von Gérard Fourel aus den 70er-und 80er-Jahren sehen. Es zeigt das karge und einfache Leben der Bauern in der Region um Montalegre, den "Terras de Barroso".





Ein Dorf in Ruinen kann man in Colmeal bestaunen. Colmeal liegt im Kreis Figueira de Castelo Rodrigo im Nordosten Portugals. In dem Dorf soll die Mutter Pedro Cabrals, dem Entdecker Brasiliens, zur Welt gekommen sein. Bis nach Spanien sind es nur wenige Kilometer. Während und nach dem Bürgerkrieg in Spanien sollen republikanische Soldaten in dem Dorf Unterschlupf gefunden haben.

Das in einem lieblichen Tal gelegene Colmeal wurde am 8.Juli 1957 gewaltsam von der Polizei aufgelöst, die Einwohner wurden vertrieben. Die Dorfbevölkerung, die sich geweigert hatte eine höhere Pacht an die Grossgrundbesitzer zu zahlen, verlor deshalb ihre Heimat. Ein Gericht deklarierte das Dorf tatsächlich als Privatgrundstück, somit war diese Räumung vor dem Gesetz legal. Die Vertriebenen siedelten sich in Nachbardörfern an oder wanderten ins Ausland aus.

Über 50 Jahre lag das Dorf, die Dorfkirche und der Friedhof im Tiefschlaf, vor allem einsame Schäfer durchstreifen mit ihren Herden die Hügel um Colmeal. Ansonsten herrschte Stille, Totenstille. Allerdings wurde schon vor einigen Jahren eine asphaltierte Strasse zum Dorf gebaut


In den letzten Jahren gab es Pläne das Dorf zu neuem Leben zu erwecken, zumindest an das Unrecht des Jahres 1957 zu erinnern. Das salazaristische Portugal war zu jener Zeit ein autoritärer Staat, in dem viele Bürger dem Staat rechtlos ausgeliefert waren. Auch dafür steht Colmeal.



ColmealI.JPG




Inzwischen ist es mit der Ruhe in Colmeal vorbei, nicht mehr Schäfer durchstreifen das Tal, sondern Bagger. Das "Colmeal Countryside Hotel" wird gebaut! Dort wo über Generationen Familien lebten, werden nun bald Urlauber die wunderschöne Landschaft geniessen. Von der traurigen Geschichte Colmeals werden sie wohl nichts erfahren.

Der Geografiedozent Carlos d'Abreu von der Universität Salamanca schildert auf seinem Blog die neuesten Entwicklungen in Colmeal. "Não há dúvidas pois, que esta aldeia, classificada e (teoricamente) protegida, está a ser vítima de um segundo assassinato!" - der Autor spricht von einem zweiten Mord an dem Dorf. Auf dem Blog "Tempo Caminhado" könnt ihr Bilder der Bauarbeiten sehen und lesen, was in den letzten Monaten in Colmeal geschehen ist.
TEMPOCAMINHADO



So sieht es in Colmeal am 29.März 2015 aus.

Colmeal1.jpg
Hier ein Beispiel für ein Dorf in Nordspanien, gelegen irgendwo zwischen Jaca und Huesca


Verldorfesp.JPG
Am Douro und an seinen Zuflüssen wurden in den letzten Jahren viele wunderschöne Bahnstrecken stillgelegt, die auch touristisch genutzt werden könnten. Heute können Wanderer die alten Bahnlinien erkunden, kleine Bahnhöfe verfallen und werden von Hunden bewohnt.


Die Tua-Linie wurde 1887 mit der Verbindung zwischen Mirandela und Tua eingeweiht. Inzwischen sind weite Teile der Tua-Linie bereits abmontiert, bald soll die Bahnlinie endgültig liquidiert werden. Dort wo früher Eisenbahnen fuhren, werden bald Fische schwimmen. Teile der Strecke sollen Staudämmen weichen. Zahlreiche Bürgerproteste scheinen das Ende nicht verhindern zu können.
Züge, die früher auf der Tua-Linie unterwegs waren, fahren nun in Moçambique oder in Peru für die Inka Rail nach Machu Picchu.

Im Jahr 2008 konnte man auf der Tua-Linie noch nach Mirandela fahren, heute nicht mehr. In diesem Video kannst du mitfahren





Stuttgart und sein Bahnhof, ein schwieriges Thema. Inzwischen wird in Stuttgart am Bahnhof gebaggert, das Projekt Stuttgart 21 wird umgesetzt. Weite Teile des Stadtzentrums sind inzwischen eine Baustelle. Aus einem Kopfbahnhof wird ein Durchgangsbahnhof. Die Fassaden des unter Denkmalschutz stehenden Empfangsgebäudes bleiben erhalten, auch die Empfangshalle und der Turm wird nicht verschwinden. Viele Stuttgarter sind gegen das Projekt, ein Graben geht durch die Stadt, der tiefer ist als so manches Bauloch...

Stuttgartbahnhof2.jpgTEMPELHOF




Ein Tag geht, ein neuer Tag kommt...Sonnenuntergang an der Ostsee in Rostock

sonnenunterganghr.jpg

Kriegsspuren

16.08.14, 21:37:39 von bergzauber
In den letzten Jahrzehnten hat sich Europa verändert, trotz aller Krisen ist es heute ein weitgehend friedlicher Kontinent. Aber wer mit offenen Augen durch Europa fährt, findet noch überall Kriegsspuren. Man findet sie in wunderschönen Landschaften, pulsierenden Metropolen oder lieblichen Kleinstädten.
Oft wirken diese Erinnerungsorte verstörend und befremdlich, manchmal machen sie betroffen oder regen zum Nachdenken an.


Kriegsgräber in Slowenien an der Grenze zu Italien, sie erinnern an die brutalen Alpenschlachten im 1.Weltkrieg


Kriegsgrabslo.JPGANNECY1939-45


Gedenkstein in Annecy


Gedenktafelannecy.jpgGEDENKSTAETTENDESERTEURE




Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park (Berlin)

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In Rostock steht das Denkmal für die revolutionären Matrosen. Diese von den Rostocker Künstlern Reinhard Dietrich und Wolfgang Eckardt erschaffene Gedenkstätte wurde am 16.Juli 1970 eingeweiht. Die Statue stellt die beiden Matrosen Albin Köbis und Max Reichpietsch dar, die 1917 eine Bewegung zum baldigen Ende des Krieges zu initiierten. Köbis und Rietpitsch wurden verhaftet und mit drei anderen Matrosen zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 5.September 1917 auf dem Schießplatz Wahn bei Köln vollstreckt. Sowohl in Rostock als auch in Köln wurden zwei Straßen nach Albin Köbis und Max Reichpietsch benannt.


Rostockdenkmal.jpg

Ein Flugzeug über Bonn, ein Mann mit Koffer in Trás-os-Montes - kommen oder gehen?

16.08.14, 21:37:00 von bergzauber
Fliegerueberbonn.JPG
Heute leben in Bonn rund 325.000 Menschen, während die Stadt 1991 noch etwa 296.000 Einwohner hatte.


Doch es gibt in Deutschland auch Regionen und Städte, die von einem starken Bevölkerungsschwund betroffen sind. Fehlende berufliche Perspektiven zwingen Menschen dazu ihre Heimat zu verlassen. So haben in den letzten Jahren viele Menschen Regionen in Ostdeutschland den Rücken gekehrt. In Frankfurt an der Oder lebten 1988 noch rund 90.000 Menschen, heute sind es noch 60.000. Und nicht weit von Bonn leiden Städte des Ruhrgebiets unter einem starken Bevölkerungsschwund, Duisburg hat in den vergangenen 30 Jahren ein Drittel seiner Einwohner verloren.


Anders als in Bonn ist die Entwicklung in Trás-os-Montes. Dort nimmt die Bevölkerung stetig ab.


So lebten zum Beispiel im Jahre 1960 im Kreis Montalegre noch gut 32.000 Einwohner, 1991 waren es dagegen nur noch rund 15.000 Einwohner, 2004 sank die Zahl weiter auf gut 12.000 Einwohner! Diese negative Entwicklung in dieser von der Landwirtschaft und Viehzucht geprägten Gegend hält bis heute an.



Die Burg von Montalegre, das Wahrzeichen dieser transmontanischen Stadt

Montalegre.jpg
RTP-Beitrag über Portugiesen in Luxemburg:




1928 wurde António de Oliveira Salazar Finanzminister Portugals, in den nächsten Jahren wurde er zum mächtigsten Mann im Staat. 1932 übernahm Salazar den Posten des Ministerpräsidenten. Portugal entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten immer mehr zu einer autoritären Diktatur mit faschistischen Elementen. Einer kleinen Elite ging es gut, die grosse Masse des Volkes lebte unter oftmals elenden Bedingungen. Ein Eckpfeiler des Salazarismus war die Bewahrung des portugiesischen Kolonialreiches, das Regime wollte den sogenannten Überseeprovinzen keine Unabhängigkeit gewähren. Das Jahr 1961 war schliesslich der Anfang vom Ende der Diktatur - Indien besetzte Goa, in Afrika begann in Angola ein blutiger Kolonialkrieg, der sich bald auf Moçambique und Guinea-Bissau ausweitete. Viele junge Portugiesen mussten in den Krieg ziehen, viele kamen nicht zurück.

Ein anderes Portugal wurde in den 60er-Jahren in einem Werbevideo der amerikanischen Fluggesellschaft TWA gezeigt. Glückliche Menschen leben in einem glücklichen Land.




Salazar fiel zwar wegen eines Schlaganfalls 1968 vom Stuhl, sein Nachfolger Caetano führte aber seine Politik weitgehend unverändert bis 1974 fort.
Am 25.April 1974 putschten in Portugal die Militärs - ein Regime, das fast ein halbes Jahrhundert Portugal im Griff hatte, verschwand fast über Nacht.

Das Signal zum Verlassen der Kasernen war das Lied "Grândola, Vila Morena". Hier könnt ihr das Lied hören, gesungen von Zeca Afonso




Die Putschisten besetzten schnell den portugiesischen Staatssender RTP. Kurz darauf verlas ein Sprecher von RTP folgende Erklärung




Zu jener Zeit war Portugal das Land Europas mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen, den relativ höchsten Militärausgaben, dem niedrigsten Bildungsbudget und der höchsten Analphabetenrate. Und diese Diktatur war ein treuer Bündnispartner in der NATO.

1968 erschien im SPIEGEL über Portugal der Beitrag "Ordnung auf Elend gebaut". Darin wird die Rückständigkeit des Landes geschildert, das sich weiterhin an sein Kolonialreich klammert. Hier könnt ihr die ersten Zeilen des Artikels nachlesen: "Einst entdeckten sie die halbe Welt, eroberten sie Kontinente, gründeten sie ein Imperium, propagierten sie die Idee der Rassenintegration. Heute sind sie in den letzten grossen - und schon verlorenen - Kolonialkrieg verstrickt, konservieren sie Europas reaktionärste Gesellschaftsordnung, nehmen sie die wohl absonderlichste Spielart abendländischer Diktatur ihr eigen: eine missgestaltete, korrupte Plutokratie. Heute ist ihr Land das Armenhaus Europas. Portugal hat das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen, die relativ höchsten Militärausgaben, das relativ niedrigste Bildungsbudget und die höchste Analphabetenrate aller Länder Europas: von zehn Portugiesen können vier weder lesen noch schreiben. In keinem europäischen Land arbeiten so viele Kinder so früh, dienen die Rekruten so lange (vier Jahre), ernten die Bauern so wenig."

So war es kein Wunder, dass viele Portugiesen fern der Heimat ihr Glück suchten.


Inzwischen findet man fast in jeder Stadt in Portugal ein Denkmal, das den Auswanderern gewidmet ist.



Denkmal in der transmontanischen Kleinstadt Tarouca, die sich von dort auf den Weg in die weite Welt gemacht haben. Ob der Mann mit dem Koffer sein Glück gefunden hat?

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Viele Regionen im Landesinnern Portugals bluten aus, die Bevölkerung nimmt stetig ab. Wanderungsbewegungen sind auch innerhalb Portugals festzustellen, in den Metropolen an der Küste leben viele Menschen, die ihre Wurzeln in Trás-os-Montes oder anderen Regionen Ostportugals haben. Wer heute Dörfer im Landesinnern besucht, stellt häufig fest, dass sie fast nur noch von alten Menschen bewohnt werden. Viele junge Menschen haben hier keine beruflichen Perspektiven. Und in der derzeitigen Wirtschaftskrise verlassen erneut viele Portugiesen ihre Heimat um ihr Glück im "reichen Norden" oder auch in Angola und Brasilien zu finden.


Aber in der Abgeschiedenheit tut sich auch vieles. Viele Kleinstädte haben inzwischen eine Infrastruktur entwickelt, die den Einwohnern das Leben lebenswert machen könnte. Einige Projekte wirken jedoch überdimensioniert.



Riesiges Einkaufszentrum in Vila Real (rechts auf dem Foto)

VRShopping.JPG


Hier finden in Montalegre Ausstellungen, Messen oder Konzerte statt

Multiusosmontalegre.jpg

Grenzen überschreiten - Rio de Onor

18.03.12, 15:51:06 von bergzauber
Grenzen trennen oft, manchmal verbinden sie aber oder sie werden einfach ignoriert.

Im äussersten Nordosten Portugals liegt das Dorf Rio de Onor. Seit 1856 verläuft die Grenze mitten durch das Dorf - die Bewohner haben sie aber über Generationen ignoriert. Gemeinsam hat man Felder bearbeitet, Schafherden geteilt, Feste gefeiert, Ehen geschlossen und sogar einen eigenen Dialekt gesprochen. Die Menschen trennt nur eine Stunde, da sie in verschiedenen Zeitzonen wohnen.


Die spanische Seite:

RibonordeCastilla.jpgDRADIO


Am 15.September 2006 strahlte der spanische TV-Sender TVE einen Bericht über das Dorf in zwei Ländern aus





Mit dem Bus oder mit dem Auto ist man in einer guten halben Stunde in Bragança (Portugal) oder in Puebla de Sanabria (Spanien). Von Bragança kann man dann mit dem Flugzeug nach Lissabon fliegen, von Puebla de Sanabria mit dem Zug nach Ourense, Zamora oder Madrid fahren. Rio de Onor und Rihonor de Castilla liegen heute nicht mehr am Ende der Welt.

Ein Zug fährt auf dem Bahnhof von Puebla de Sanabria ein

PuebladeS4.jpg

Bonn ist eine Baustelle

24.08.11, 14:50:55 von bergzauber
Blick auf Bonn. Die Stadt verändert sich. Wo früher vor allem liebliche Villen das Rheinufer schmückten, stehen nun Hochhäuser. Und man sieht immer mehr Baukräne...

bonnrhein.jpg

Aber es gibt auch größere Baustellen. Vor allem im früheren Regierungsviertel wird gebaut und kräftig gebaggert. Aber nicht überall geht es voran...es gibt in Bonn auch unfertige Bauruinen, nicht jedes Bauprojekt kann verwirklicht werden.
Ein Millionengrab ist das im früheren Regierungsviertel geplante Kongresszentrum. Der Investor hat sich aus dem Staub gemacht, ein halbfertiges Gebäude verschandelt die Umgebung und die Stadt Bonn hat Millionen in den Sand gesetzt.

Hier könnt ihr die ganze Geschichte nachlesen:
BAURUINEBONN


bauruinebonn.jpg


Lüttich - R.I.P.?

24.08.11, 14:50:33 von bergzauber
Nicht weit entfernt von Bonn liegt Lüttich, die bedeutendste Stadt der Wallonie. Diese Stadt galt lange als ein Zentrum der kontinentaleuropäischen Kohle-und Stahlindustrie. Bereits 1720 nahm in Lüttich die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland ihren Betrieb auf.

Doch diese einst sehr reiche Stadt leidet noch heute stark unter dem Zusammenbruch des Kohlebergbaus und einer Stahlkrise. Diese Krise hat u.a. zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt. Parallelen zu der Entwicklung findet man im Ruhrgebiet, auch dort muss eine Region den Strukturwandel bewältigen.
Strukturwandel ist in Lüttich - im Gegensatz zu Bonn - (noch) keine Erfolgsgeschichte.


Aber es tut sich viel in der Stadt, die Lage im Herzen Europas bietet Chancen. Und wer nach Lüttich fährt, kann Zeichen des Aufbruchs finden. Eine vielfältige Kulturlandschaft, eine interessante Architektur oder eine Universität, zu deren Schwerpunkten die Technologieförderung im regionalen Strukturwandel gehört, machen Hoffnung.


Eine Reise nach Lüttich lohnt sich!

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UNO statt Bundestag - Bonn 2011

24.08.11, 14:49:57 von bergzauber
Strukturwandel de luxe: Bonn profitiert heute von den UNO-Einrichtungen, die nach dem Regierungsumzug hier angesiedelt wurden.

Heute steht und fällt Bonn mit den 17 UNO-Sekretariaten.



Wie schwierig der Strukturwandel einer Region sein kann, wird im Ruhrgebiet sichtbar.


Zum Strukturwandel im Ruhrgebiet könnt ihr folgenden Beitrag hören: http://www.podcast.de/episode/405567/Ein_Duisburger_Stadtf%C3%BChrer_erz%C3%A4hlt


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